Print ist tot. Zugegeben, das ist etwas polemisch und populistisch. Aber irgendwie bekam ich heute das Gefühl das der Satz nicht ganz falsch ist. Grund dafür war das ich heute einige alte PC- und Foto-Zeitschriften (und einige andere) aussortiert habe. Nachschub ist fast nicht in Sicht. Ich habe mir seit langem keine PC-Zeitschrift mehr gekauft und wenn dann vielleicht mal eine weil die Schlagzeile ganz interessant war. Das war es aber auch schon. An Platz mangelt es mir eigentlich auch nicht, trotzdem habe ich die meisten alten Zeitschriften aussortiert. Zu selten schaue ich mal was nach. Zu selten hatte ich nach dem Kauf das Gefühl: “Wow, was für ein Artikel – den kannst du nochmal gebrauchen”. Ich war fast immer von den Zeitungen enttäuscht. Das liegt weniger an den Themen, die dort angesprochen werden, sondern vielmehr daran, dass die meisten Artikel auf den ersten Blick interessant scheinen, aber sehr kurz sind und meist damit nur einen Einstieg in ein Thema bieten.
Wenn ich zum Beispiel in der Randspalte etwas wie “Hersteller XYZ bringt das neue Produkt ZYX heraus, Experten bezeichnen dies als großen Durchbruch für der gesamte Branche” lese und mich das Ganze interessiert, dann möchte ich gerne was darüber erfahren können. Nicht erst wenn ich den Computer hoch gefahren habe und den Browser geöffnet habe. Nein, hier, jetzt und auf der Stelle. Das habe ich mir wahrscheinlich so über die Jahre angewöhnt, das lesen am Bildschirm ist immerhin für mich und viele andere schon jetzt normal. Für mich sind die meisten Zeitschriften irgendwie ziemlich umständlich geworden. “Das kenne ich doch schon”, denke ich nichtmals so selten wenn ich am Supermarkt mal wieder in der Zeitschriftenecke vorbeischaue.
Vor noch nichtmals so langer Zeit habe ich mir eigentlich recht regelmäßig Zeitungen gekauft. Seit ich per Flatrate surfe mach’ ich das nicht mehr. Zu unlukrativ scheinen die Preise für manche Zeitungen. 9,95€ für eine “Sonderausgabe”, ich glaube da investiere ich doch besser in ein gutes, vielleicht sogar gebundenes, Buch.
Doch halt ist das nicht auch Print?
Irgendwie, ja, irgendwie schon. Aber ein Buch hat den Vorteil das es – zumindest in der Regel – nur ein Thema beinhaltet und geht auf dieses ausführlich ein. Außerdem hat ein – gutes – Fachbuch den Vorteil das man damit mobiler ist als mit einem PC. Das gebundene Fachbuch kann man auch in der prallen Sonne auf der Terrasse lesen, beim Notebook geht das zwar auch, dafür wiegt es einiges mehr und man braucht nach einiger Zeit einen zweiten Akku oder eine Stromanbindung.
In meinem Fall würde man erstmal ein Notebook benötigen. Ich habe jedenfalls keins und plane auch nicht mir eins anzuschaffen. Wozu auch? In der Bahn und dem Bus kann man mit einem Notebook nicht wirklich komfortabel arbeiten. Es fehlen Internetzugang (UMTS ist – noch – teuer und nicht einigermaßen flächendeckend verfügbar) und Stromanschlüsse für längere Fahrten. Zumindest letzteres mag in den IC/ICEs der deutschen Bahn zwar anders aussehen, aber wer fährt schon lange Strecken so oft das sich das wirklich lohnen würde? Außerdem ist der Platz doch eher sehr begrenzt. Vielleicht sollte ich mir mal eine Zugfahrt erster Klasse gönnen? Sponsort mir die jemand?
Doch zurück zur Terrasse. Wenn ich mich in die Sonne lege, dann eher um mich zu entspannen, nicht um zu arbeiten. Das mit dem arbeiten auf der Terrasse funktioniert nicht wirklich gut. Zu klein ist der Tisch um Notizen und Bücher ausbreiten zu können, zu stark weht meist’ der Wind. Wenn dann noch ein recht “offener” Garten mit Nachbarn vorhanden ist, kommt man aber eh nicht mehr hinterher die weg gewehten Notizen wiederzufinden…

Wie dem auch sei. Alle Medien haben ihre Vor- und Nachteile. Wieso für Eins entscheiden. Wieso nicht beides, jeweils dort wo es angebracht ist? Zeitungen zum entspannen und insperieren, das Internet zum Arbeiten, Bücher als mobile Lernhilfen. Eigentlich kann das gar nicht so schlecht sein. Schließlich steht der Zeitschriftenhändler nicht umsonst am Bahnhof. Da wo kaum jemand sein mittelschweres Notebook mitnehmen würde. Ich bin mir sicher: Der verschwindet so schnell nicht von der Bildfläche, also der Zeitschriftenhändler. Was der nun in Zukunft aber verkaufen wird sei mal dahingestellt.

Zum Weiterlesen: Was Blogger besser können und “Print ist tot” bei Spreeblick