Ganz unabhängig davon was der große Bruder des SchülerVZ so macht – das SchülerVZ bleibt interessant und langweilig zugleich. Es ermöglicht jedem einen Blick in das Private von manchem Vorstadtgangster, entblößt die Unfähigkeit der eigenen Mitglieder und schafft es dennoch irgendwie akzeptiert zu werden.

So geht Daniel auf die Hauptschule (10. Klasse), wurde zum Klassensprecher gewählt und wird bald 18. Seine Freunde besuchen zum Teil die gleiche Schule. Nebenbei verdient sich Daniel etwas Geld mit dem Verteilen von Werbeprospekten dazu. Soweit so gut – jetzt möchte man meinen, die Informationen sind ja sehr leicht verfügbar. Allerdings verrät der Steckbrief von Daniel noch nicht viel darüber, was Daniel wirklich denkt und wie er denn sozusagen “tickt”. Da ist seine Homepage auf die er in seinem Profil verweist schon viel genauer.

Auf seiner Homepage hat Daniel ein kleines öffentliches Tagebuch angelegt, in dem man erfährt wie stolz er darauf ist, Klassensprecher zu sein. Auch scheint er mit der Groß- und Kleinschreibung Probleme zu haben. Alle Pronomen werden auf seiner Seite – immerhin konsequent – großgeschrieben. Wirklich bemerkenswert hingegen ist, was er über sich selbst aussagt. Er hält sich selbst eher für schüchtern und sagt von sich selbst, dass er recht lange gebraucht hat um sich an seine neue Klasse zu gewöhnen. Dennoch (oder gerade deswegen?) spielt Daniel Fußball.

Für angehende Psychologen sicherlich eine wunderbare Gelegenheit Menschen anhand ihres sozialen Netzes zu analysieren. Doch geht das wirklich? Wenn ja – zu welchem Ergebnis würde man gelangen?
Aus Daniels Profil im SchülerVZ geht hervor, dass er einige Freunde an der gleichen Schule hat. Dazu kommt ein wenig versteckt eine kleine Sensation: Er hat etwa genau so viele Gymnasiasten als Freunde wie Freunde an anderen Schulformen. Unter der Voraussetzung, er sei mit allen Bekannten im SchülerVZ vernetzt.
Wenn man jetzt noch weitergeht und sich die Tagebucheinträge anschaut – stellt man mit erstaunen fest: Daniel unternimmt mehr mit seinen Kollegen von den weiterführenden Schulen und Gymnasien als von seiner eigenen Schule. Schulen als Trennungs für soziale Verbindungen sind wohl eher ein Vorurteil und passen scheinbar sehr gut in die Debatte ob denn die Hauptschule als Schulform ausgedient hätte.

PS: Wer im SchülerVZ mal herumschnüffeln will benötigt dazu eine Einladung.

3 Antworten auf „“

  1. Sind nicht alle größeren “Personenverzeichnisse” ideal für solche psychologischen Spielchen geeignet? Man sollte eben aufpassen, welche Informationen man zur Verfügung stellt..

  2. StudiVZ ist sicher eine gute Sache. Schüler haben die Gelegenheit viele alte Schulfreunde zu “treffen” und sich auszutauschen.

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