Telefonanruf

Wochenende heißt wohl Hauptarbeitszeit in Callcentern und Marktforschungsinstituten.

So klingelte es am Samstag Nachmittag und ich nuschelte unbedacht meinen Namen ins Telefon und werde mit den freundlichen Worten Guten Tag Herr XYZ, ich bin vom Marktforschungsinstitut Ignas (sofern ich das richtig verstand) und würde gerne ihre Meinung zu einigen aktuellen Themen erfragen. Hätten Sie ein paar Minuten Zeit? Mit dieser Frage hatte ich fast gerechnet und es sprudelten aus mir geradezu unzählige Worte. Ich war nicht zu stoppen: Nein, ich habe kein Interesse. Die Umfrage ist völlig anonym und mit etwas Glück können Sie alleine durch ihre Teilnahme etwas gewinnen. Damit hatte ich ebenfalls gerechnet und nuschelte – betont gelangweilt und extra lang gezogen – mein nein, kein Interesse in den Telefonhörer, was die Frau am anderen Ende der Leitung zum innerlichen brodeln zu bringen schien.
Gewöhnt man sich wohl mit der Zeit an Leute die sofort auflegen und einen eher anschreien, fragte ich mich selbst in dem Moment, doch da verabschiedete sich die Frau schon und rief vermutlich die nächste Nummer an – dabei hätte ich das doch noch gerne in Erfahrung gebracht.
Drei Minuten telefoniert ohne eine Eingabe gemacht zu haben – ich werde der Frau wohl die Beförderung und den Auszahlungsbonus vermasselt haben. Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben?
Mich plagt seit dem Anruf mein Gewissen. Muss man jetzt statt Spenden für Weißrussland eher Gehaltszuschüssse für Callcenter-Mitarbeiter sammeln? Darf man selbst überhaupt noch Callcenter unterstützen? Ich meine ich würde ja auch meine Seele verkaufen – nur muss halt der Preis stimmen. Irgendwie haut das bei Callcentern jedoch nicht so ganz hin.

5 Antworten auf „Telefonanruf“

  1. Schwieriges Thema, natürlich schmerzt es etwas die letzte in der Schlange schlecht behandeln zu müssen, macht ja nur die aufgetragene Arbeit. Auf der anderen Seite ist diese Art des verkaufens, für uns Endverbraucher äußerst lästig und brutal. Wenn ich schoppen möchte ziehe ich gezielt los und werde nicht von Verkäufern auf der Strasse überfallen…

  2. Finde ich auch, die Mitarbeiter sind mittlerweile so geschult (natürlich nicht überall), das mann manschmal Schwierigkeiten hatt, seine Wünsche zu äußern. Am besten ist sofort auflegen, wenn da die Neugierde nicht wäre…

  3. Mich wundert immer wieder, dass trotzdem solche Anrufe erfolgen. Es sollte sich doch mittlerweile herumgesprochen haben, dass dies ohne vorherige Zustimmung nicht erlaubt ist.
    Oder hattest Du vorher mal auf irgendeinem Formular / Vertrag deine Zustimmung zur Weitergabe deiner Daten gegeben ?

  4. Nein, ich habe nicht der Weitergabe meiner Daten zugestimmt, zumindest nicht ausdrücklich und erst recht nicht an das oben angegebene selbst ernannte Meinungsforschungsinstitut.

    PS: Deinen Link musste ich entfernen, auch wenn es manchmal so scheint, dieser Blog ist keine Werbeplattform.

  5. hmm unglaublich das es sowas immer noch gibt, naja was soll man davon halten, unglaublich, gut das ich nicht mit solchen anrufen genervt werde…

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