Harte Zeiten

21/6/2008 um 7:45 pm Uhr

Der folgende Text ist ursprünglich für ein Literaturprojekt von mir geschrieben worden. Da das Ganze allerdings viel zu nahe an der Realität war – möchte ich diesen Text der Welt nicht länger vorenthalten…

A: Hallo Herr Degenhardt, Sie hatten den Termin für die Eröffnung eines Kontos ausgemacht?

B: Ja, ganz Recht…

A: Ich weiß, sie haben jetzt obwohl sie einen Termin ausgemacht haben – schon über eine halbe Stunde gewartet. Aber so läuft es halt in Zeiten der Rationalisierung – da muss jeder auch mal woanders mit anpacken – da kommen solche Verzögerungen halt einfach mal vor. Aber nun setzen Sie sich ruhig.

B: Danke…

A: So um es kurz zu machen haben sie Fragen zu den Konto-Konditionen?

B: (will zum sprechen ansetzen)

A: Nein? – also wenn dem so ist – dann können Sie hier schon einmal ihre Persönlichen Daten
selbst eintragen.

B: schaut auf ein Formular und schaut nach einer Weile den Berater an … ähm – Verzeihung aber könnte ich vielleicht einen Kugelschreiber bekommen?

A: Einen Kugelschreiber? Verehrter Herr, einen Kugelschreiber?!. Wir sind eine moderne Bank und um unseren Kunden die besten aber auch wirklich die besten Konditionen anbieten zu können, sind wir dazu gezwungen zu sparen wo es nur geht. Gerade in diesen harten Zeiten. Da wollen sie auch noch einen Kugelschreiber… tztzt…. Aber nun gut. Sie sind ein neuer Kunde bei uns und sind vielleicht noch nicht so ganz mit der Philosophie unserer Bank vertraut. Betrachten Sie diesen Kugelschreiber unseres Unternehmens als ein Neukunden-Geschenk unserer Bank.


B: OKSTRAAN? Heißt ihre Bank nicht Breestner Bank und stellt OKSTRAAN nich’ eigentlich Lampen her?

A: Wie gesagt unser Unternehmen spart um ihnen als Kunden die besten – aber auch wirklich die besten – Konditionen anbieten zu können. Da bleibt einfach kein Cent mehr übrig um Kugelschreiber mit dem eigenen Logo bedrucken zu lassen.

B: Nun denn, dann werde ich mal den Bogen ausfüllen…

A: Gut – währenddessen bediene ich schon mal den nächsten Kunden. Lassen Sie sich ruhig Zeit. In einigen Minuten komme ich wieder zu ihnen.


A: Ah – sehr gut. Sie haben also alle erforderlichen Felder ausgefüllt?

B: Ja, aber…

A: Ich sehe schon, Ihre Unterschrift fehlt…
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EU-Reformvertrag

20/6/2008 um 10:39 pm Uhr

Zuerst war es eine Verfassung, dann war es die Einführung einer Grundrechtecharta und schließlich spricht man in den Medien nur noch von EU-Reformvertrag bzw. dem Vertrag von Lissabon. Kurzum – die Iren lehnten den Vertrag ab und waren nebenbei die einzigen die überhaupt ein Referendum über den Reformvertrag abhielten. Kurz: Sie stimmten mit “nein”. Vielleicht gar nicht so zu unrecht – schließlich dürfte kaum jemanden überhaupt der Inhalt des Vertrags geläufig sein. 53,4% der Wahlteilnehmenden in Irland stimmten mit nein; ein klares “Nein” würde meiner Meinung nach anders aussehen.
Dennoch stellt sich die Frage – worum ging es überhaupt bei dem EU-Reformvertrag? Man könnte jetzt schnell auf die offizielle Fassung verlinken, doch ich selbst konnte die Fassung nur überfliegen. Schließlich hat der Reformvertrag den Umfang eines dickeren Taschenbuches. Einen Krimi mit dem Umfang könnte man innerhalb von ein paar Tagen verschlingen – aber einen trockenen Reformvertrag, dessen Inhalt so schwammig und unverständlich ist wie kaum ein anderes Werk, zu lesen fällt mehr als schwer.

Der Inhalt ist eine Art Verfassung die keine seien will. So werden “Gesetze” erlassen, die keine sind – die EU erlässt laut dem Reformvertrag nur Richtlinien und Verordnungen, die aber von den einzelnen Staaten in nationales Gesetz umzusetzen sind… also business as usual. An anderer Stelle wird nur auf die Grundrechte verwiesen – wobei GB und andere Staaten erklärt haben diese nicht als Rechte vor ihren Gerichten zu akzeptieren. Da braucht man sich über ein “Nein” nicht zu wundern. Selbst mit einer großen Zustimmung wäre nicht viel mehr als ein symbolischer Akt zu Stande gekommen. Ein fauler Kompromiss also? Ich glaube, dass würde man schon durch eine Meinungsumfrage herausfinden…

Werde doch Lobbyist

18/6/2008 um 3:13 pm Uhr

Greenpeace sucht dich – oder jemand anders als “Global Warming Lobbyist“.

12.156 Songs…

15/6/2008 um 5:18 pm Uhr

die über iTunes verkauft wurden, bringen den von Sony vertretenen Künstlern ein Einkommen auf HartzIV-Niveau.

Rechne:

  • 4,5 Cent bekommt ein Künstler von jedem verkauften Song
  • 347€ beträgt der HartzIV-Regelsatz
  • Sozialhilfeempfänger/Arbeitslose erhalten Wohngeld- und Heizzuschüsse (ca. 200€ – mit deutlichen Schwankungen)

Ein Musiker müsste also 12.156 Songs über iTunes verkaufen um ein Leben auf HartzIV-Niveau führen zu können – pro Monat. Aber die >12.000 Songs sind sicherlich im “Null,nichts” verkauft… Die finanziellen Schäden von Raubkopierern dürften sich dann selbst bei einigen Millionen Songs in Grenzen halten…

Nonsense

9/6/2008 um 3:32 pm Uhr

Es gibt einfach nichts zu sagen, was einen eigenen Beitrag wert wäre. Die große Koalition zickt rum – was für Neuigkeiten! Das Militär rüstet nahezu weltweit auf – ist ja auch nicht von Heute auf Morgen passiert. Alles wird teurer, hätte auch niemand mit gerechnet. Obama flirtet mit Clinton und Clinton gibt auf – auch sehr unberechenbar, das Ganze.
Das die NPD angesichts unveränderter Situation in Sachsen etwas “erfolgreicher” als in den Jahren davor geworden ist, sollte auch niemanden verwundern. Alles ist halt nach Plan verlaufen, wir wussten’s schon lange bevor es passierte. Jetzt brauchen wir auch nicht so überrascht tun. Hätte man nur einmal einen Blick auf die Randspaltenbemerkungen geworfen – doch wir waren zu sehr mit Knut, Flocke & Hotels aus Tokio beschäftigt. Wobei – die Lage ist halt hoffnungslos, aber nicht ernst.

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Doppelmoralisten

8/6/2008 um 7:50 pm Uhr

Kennst du deine Bekannten?! Wie dem auch sei, es sind vermutlich auch Doppelmoralisten. Zum einen nörgeln die dann immer rum, wie teuer doch alles geworden ist und wie wenig man doch verdienen würde… wie viel der Staat an Geld einsammelt und der Staat solle doch bitte für gleich bleibende Benzin-, Gas und Strompreise sorgen.

Das sind die gleichen Leute, die in den letzten Tagen krakeelen, “die armen Bauern wie wenig die doch verdienen. Da bezahle ich doch gerne ein paar Cent für die Milch mehr, das haben die sich doch verdient. Hoffentlich kommen die Cents auch bei den Bauern an. Ach, übrigens ich hätte auch gerne einen Kontostand mit einem dicken Plus”.

Die Leute gönnen den Bauern ein paar Cents mehr, wollen aber auch gleichzeitig ein paar Cents mehr. Das ist eine schöne Milchmädchenrechnung, wie sie im Buche steht. Das was man dann mehr bekommt, geht dann für die Inflation in den anderen Bereichen drauf. Das wars dann mit dem “mehr” an Geld. Außerdem werden die Dauernörgler und Glückskeksphilosophen vielleicht auch mal merken das sie für die Bauern schon jeden Tag fixe Abgaben leisten, ohne nur einen Tropfen Milch zu trinken: Subventionen, finanziert von Steuergeldern machen’s möglich. Wenn man die dann wieder abschaffen würde und die Steuern senkt – wird wieder gemeckert wie teuer die Milch denn wäre. 1,80€ pro Liter – unglaublich – “da muss doch der Staat eingreifen”, so wird es in Bild, BamS und Glotze gefordert werden.
Sorry – aber Champagner für alle können wir uns nicht leisten. Obwohl? Wenn wir die Landwirtschaft komplett aufgeben – vielleicht. Aber dann werden’s die Chinesen machen – und wenn das dann eintreffen wird, werden Arbeitsbedingungen (oder alternativ die Globalisierung und ihre Opfer) in China an den Pranger gestellt. Man hätte es wissen können. Aber es interessiert ja niemanden und selbst wenn – was verändern kann man nichts. Seidenn man stellt sich eine Kuh in den heimischen Garten und fängt mit der Milchproduktion selbst an. Vorsicht: Zumindest bei kleineren Produktionen wird sich das nie rentieren, wenn man es mit den Supermarktpreisen und der Qualität der Milch vergleicht zumal man sowieso staatlich garantiert die Bauern subventioniert. So und wer nun nächstes mal an der Supermarktkasse steht – schön mehr Tüten als nötig kaufen – dann profitiert man u.U. selbst auch von den Subventionen…