Volksboykott

Volksboykott ist eine Webseite auf der sich Menschen zusammenschließen sollen, um ihre Macht als Verbraucher, Konsumenten und Volk zu demonstrieren. Im Moment geht es um ein Thema – die hohen Ölpreise. Ganz nett gemeint, fachlich ist die Seite dann aber doch sehr ungenau: Tatsächlich steigen die weltweiten Ölreserven seit Jahren konstant und liegen derzeit bei rund 1,3 Billionen Barrel. Das ist schon etwas sehr fragwürdig, schließlich bleiben die Ölreserven relativ konstant – vorausgesetzt es gäbe keine starke Förderung. Doch das ist der Fall. Außerdem braucht es schon deutlich mehr als ein paar Jahrhunderte bis wirklich neue Ölvorräte entstehen können.
Andererseits werden immer noch “neue” Fördergebiete entdeckt, andere Gebiete die man vormals nicht nutzen konnte werden dank neuerer Technik endlich attraktiv… und so kann man den fachlichen Ausrutscher auch verzeihen. Ein paar andere Passagen sind auch – hm – bedenklich. Vermutlich findet man zum Ölverbrauch und desssen Folgen bessere Informationen im Atlas der Globalisierung – zumal es eigentlich nicht um den Benzinpreis geht. Den Machern der Volksboykott-Seite geht es hingegen nur um den Endkunden-Preis an der Tankstelle und der sollte laut Volksboykott bei etwa 1€ für den Liter Diesel liegen. Ob das politisch und wirtschaflich sinnvoll ist bezweifel ich stark. Jeder Euro-Cent der heute mehr an der Tankstelle kassiert wird, sorgt heute für ein Umdenken und für Investitionen in die Zukunft. Jeder Cent hingegen der weniger kassiert wird (durch wen auch immer) sorgt indirekt für ein Vertrauen in niedrige Preise – und das führt letzendlich zu Problemen in der Zukunft. Mit einem Problem: Dem Staat kann man dann die Schuld nicht mehr geben, denn der Markt spielt dann verrückt – und das letzte was der Staat dann tun sollte, wäre es gegen den Markt komplett anzukämpfen. Das geht mit Sicherheit daneben. Schade nur, dass viele Menschen ihre Probleme in die Zukunft verschieben wollen.
Doch darum geht es bei “Volksboykott.de” eigentlich nicht. Hier sollen Verbraucher bzw. Konsumenten ihre Macht demonstrieren und das finde ich wiederum begrüßenswert. Nur hat man mit dem Benzin und Öl-Preis ein etwas sehr schwieriges Thema aufgegriffen. Besser würde mir ein “Boykott” bezüglich einzelner Konzerne gefallen. So könnte man beispielsweise zum Protest gegen große Buchhändler aufrufen, die ihre Macht gegenüber kleinen Verlagen ausspielen oder gegen die Buchpreisbindung im Allgemeinen. Müssen T-Shirts aus China sein? Und hat nicht auch der Fensterputzer einen Lohn von X€ pro Stunde verdient? Über all das könnte man debattieren – und das ist sicherlich produktiver als über Ölmultis und die hohe Steuerlast beim Benzin zu klagen.

[Via Alterfalter]