Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (neu)

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum einst in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit,
Leuchtete es vor lauter Birnen, weit und breit.
Und kam jemand über’n Friedhof her,
So flüsterte es im Baume: „willste ’ne Birn?“

So verging die Zeit ruhig und lang‘,
hier im einsamen Havelland.
Wo einst Herr von Ribbeck auf Ribbeck,
über die Plätze trat
und dafür sorgte das so manches Gesicht glücklich,
hinter einer glänzenden Birne verschwand.
Doch mit der Ruhe war schon bald Schluss
und der Ruf des Baumes ist von der A2 verschluckt.

Da zog der Fortschritt durchs gesamte Havelland
und schließlich auch der Geiste des Birnbaums verschwand
So hört man heute Reifen quietschen – Beats dröhnen,
sich gar nicht bewusst den alten Geist zu verhöhnen.

Und die Alten klagen ganz vorwurfsvoll,
„wo das Alles hinführen soll“.
Doch damit wird nur eines klar,
die alten Konflikte sind auch heute da.
Trotz Arbeitslosigkeit sich kaum jemand fand,
der sich zu dem Baum gestellt‘ und die Birnen nahm.
Birnen sind zum Verkauf der Supermärkte da,
was die Alten nicht gern sahn‘.
Der alte Konflikt ist nun neu entbrannt.
So bleibt es spannend im Havelland,
wo einst nur ein Birnenbaum auf dem Grabe stand.

Headspicket, 2008. Es handelt sich um ein Gedicht, das an Fontanes gleichnamiges Gedicht angelehnt ist.