Krisenstimmung

Es herrscht Krisenstimmung. Wo man hinblickt. Krisenstimmung. Krise, Krise, Krise und Krise. Manch ein Zeitgenosse wird erst jetzt bemerkt haben: Krise wird ohne IE geschrieben. Womit wir uns schon wieder in einer Krise befinden. Der Rechtschreibkrise. Egal wo man hinblickt, wie gesagt – Krise. Focus Money, Financial Times Deutschland, Handelsblatt und der Economist – überall herrscht Krisenstimmung. Ist das nicht herrlich. Lehman Brothers ruiniert, hier noch eine Bank die Pleite geht da etwas Verstaatlichung. Ach schön ist’s doch Journalist zu sein.

Was mich im Gegensatz zu den Journalisten* interessiert sind die Gründe für Krisen. Okay, es hat in den USA ein paar Kredite gegeben die nicht gedeckt waren. Ja und ansonsten? Ansonsten sieht es nämlich gar nicht nach einer reinen Immobilienkrise aus? Könnte nicht vielleicht etwas Maßlosigkeit zu Problemen geführt haben?

Wer heute 3-5% Rendite erwirtschaften will kann sich mit einem Tagesgeldkonto begnügen. Doch das reicht anscheinend nicht. Wie ist es sonst zu erklären das – unglaublich viele Deutsche – in Fonds investieren. Übrigens dessen Zusammensetzung scheinen weder der Bankangestellte noch die Anleger selbst zu kennen. 10% +/- X% Rendite hört sich einfach zu verlockend an.

Das Problem ist: Solche Fonds werden nicht von skrupellosen Menschen oder dem Teufel in Person gemacht. Nein, das sind auch ganz normale Büroangestellte. Die Leute die in die Fonds investieren, sind vermutlich noch normaler, naiver und netter als man es in Filmen von Rosamunde Pilcher darstellen könnte.

Diese Menschen sind nicht böse. Sie sind nur naiv. Wer glaubt das Geld sich von alleine vermehrt, der hat entweder die Werbung der Banken auswendig gelernt oder ist – sehr, sehr naiv. Kurz: Am Ende muss immer der Mensch die Rendite erwirtschaften, egal wie. Das funktioniert ja auch. Nur halt in einem begrenzten Maße.

Ein Beispiel: Nehmen wir an eine Bank will mehr Geld erwirtschaften, weil die Bankenkrise ja so schrecklich ist. Dazu kann sie zum einen die Gebühren erhöhen, sie kann Personal entlassen, Arbeitsabläufe beschleunigen, durch Werbung mehr Kunden gewinnen, Kredite teurer vergeben, Energie einsparen, Einkäufe (Rechner, Büromöbel….) verschieben, etc.

All das funktioniert nur begrenzt. Irgendwann kann eine Bank keine Gebühren mehr erhöhen, weil selbst die treusten Stammkunden bei Wucher verschwinden. Irgendwann kann man halt keine Einkäufe mehr verschieben, weil ein Geldautomat halt funktionieren muss. Irgendwann kann man halt kein Personal mehr abbauen, weil man inzwischen den letzten menschlichen Mitarbeiter entlassen hat. Irgendwann kann man keinen Kredit mehr teurer vergeben, weil die Leute bei dem Angebot nur noch einen Lachkampf bekommen. Irgendwann macht es keinen Sinn mehr neue Werbung schalten, weil das Produkt schon mehr als nur bekannt ist ist. Irgendwann kann man keine Energie mehr einsparen ohne die Filiale zu schließen. Irgendwann kann man keine Büromöbel mehr einsparen – spätestens sobald der letzte Tisch auseinander gefallen ist….

Folglich kann auch die Rendite nicht unendlich zunehmen, sondern hat Schranken. Wer Heute auf einer Aktionärsversammlung verkündet 10% Rendite – die man in diesem Jahr erwirtschaftet habe – solle sich hüten, noch mehr zu versprechen. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eine Unternehmens lässt sich irgendwann nicht mehr Ausbauen ohne die soziale Leistungsfähigkeit eines Jeden zu mindern. Das sollte man bedenken, wenn demnächst mal wieder ein Bankangestellter ein „tolles Angebot, 12% Rendite pro Jahr, kein Risiko“ bewirbt. Ich wäre vorsichtig.

*es mag Ausnahmen geben