Wieso… eigentlich?
Wieso spielen eigentlich Märchen, wie man sie Kindern gerne vorliest, nie in der Mittelschicht? Es gibt immer nur bettelarm (wie z.B. in “Sterntaler”) oder halt den König und seine Familie.
Ich habe noch nie ein Märchen gelesen, das mit, “es war einmal ein Facharbeiter und eine Lehrerin mit leitender Funktion, die in einer Doppelhaushälfte in der Gartenvorstadt lebten und so wenig hatten, dass sie stets sozialdemokratisch wählten“, begann.
Doch wieso eigentlich?

Und was ist mit “Die goldene Gans”? Und mit “Schneeweißchen und Rosenrot”?
Bei der “goldenen Gans” werden immerhin die Schichten durchbrochen. Der “Dümmling” heiratet letztendlich die Tochter des Königs. Ob der Dümmling nunwirklich einer Art Mittelschicht angehört wage ich aber zu bezweifeln. Zwar wird in dem Märchen recht viel Wein getrunken – aber das war zumindest zu Zeiten der Gebrüder Grimm – ein Privileg der höheren Klassen. Über die wirkliche, gesellschaftliche Schicht des Dümmlings kann man eigentlich nur spekulieren.
Schneeweißchen und Rosenrot würde ich vielleicht als Märchen der Mittelschicht durchgehen lassen. Die beiden werden als arbeitswillig und strebsam dargestellt; die Mutter der beiden kann sogar lesen (wiederum eigentlich eher ein Privileg höherer Klassen).
Vermutlich fällt es so schwer eine Mittelschicht in Märchen zu finden, weil man “Mittelschicht” eigentlich zum Teil auch mit dem “Bürgertum” verbindet und eben dieses Bürgertum gewann erst Jahrzehnte nach den Gebrüdern Grimm an Einfluss und Bedeutung.
SPD wählen?
Wirklich eine tolle Idee für ein Märchen…