Servicewüste Deutschland

Wenn es in irgendeiner auch noch so trivialen Unterhaltung Begriffe wie „Service“ und „Reparatur“ fallen, dann kommt kurz darauf der Spruch „Wir sind hier doch in der Servicewüste Deutschland„.

Servicewüste Deutschland?

Früher habe ich das eigentlich nicht angezweifelt, zu unrecht. Doch das wurde mir erst bei einem Aufenthalt in Australien klar.
Wer weg fährt, der möchte sich natürlich nicht entspannen oder spannende Dinge erleben, sondern die Daheimgebliebenen neidisch machen! Also muss man sich mühevoll Postkarten aussuchen und diese mit unleserlichen Buchstaben verzieren. Das ist kein Problem. Postkarten gibt es an jeder Ecke und der Text ist auch verhältnismäßig schnell auf die Karte gekritzelt. Doch dann braucht man noch Briefmarken und einen Briefkasten. Die gibt es nicht an jeder Ecke. Weder Briefmarken in entsprechender Portohöhe für internationale Luftpost mit ein paar wenigen Zentimetern über der Standardgröße, noch die Briefkästen. Doch – die Rettung nahte in einem Vorort Sydneys. Eine große Postfiliale machte einen guten Eindruck. Hier sollte man bestimmt Porto für die Postkarten bekommen bekommen.

Bestimmt, dachte ich mir und trat ein. Ein großes Gebäude, Büromaterialien im Eingangsbereich und Schreibpulte an den Seiten. Beeindruckend war der Anblick, sowohl der vielen Büromaterialien (Wer braucht schon Tesa-Film mit Blümchen?) als auch der Schlange vor dem Postschalter. Sollte ich später wiederkommen oder mich direkt einreihen, fragte ich mich bei dem Anblick der Schlange. Ich entschied mich für letzteres. Schließlich kann das ja bei einer Postfiliale ja nicht so lange dauern. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis ich an der Reihe war. Als ich letztlich meine Postkarten überreichte, staunte ich nicht schlecht, dass jede einzelne Postkarte gewogen wurde. Warum wurden die Karten ausgewogen? Sollten die etwa eine Bleiverstärkung haben? Ich wusste nicht was ich sagen sollte und schaute – gelinde gesagt – recht verdutzt.

Doch schließlich ließ der Angestellte die Briefe auf der Waage liegen und suchte in einer Schublade nach den entsprechenden. Man muss wirklich suchen sagen, denn das Porto schien alles andere als leicht aufzufinden zu sein.
Schließlich bekam ich aber noch die Briefmarken gegen den entsprechenden Geldbetrag überreicht. Eine Briefmarke von den Briefmarken war recht stark eingerissen – und ich fragte ob das denn überhaupt in Ordnung wäre.
Ja, das wäre in Ordnung. Hm, eine schöne – nicht eingerissene Briefmarke wäre nicht schlecht gewesen. Ich bedanke mich, und bekomme den Hinweis, dass ich die Postkarten doch in den Postkasten neben der Postfiliale einwerfen solle. Nett. Ich soll die Briefmarken draufkleben, die Postkarten neben der Post einwerfen – damit die dann jemand in wenigen Stunden vermutlich wieder in das Postgebäude trägt? Sehr sinnvoll.

Daheim versende ich zwar keine Postkarten, doch wenn ich einen Brief in die Postfiliale trage – muss ich den Brief nie wieder raus tragen. Warum auch?

Servicewüste Deutschland?
Servicewüste australische Post!