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… oder „Hilfe, meine Uni verkauft sich zu billig“:

Es ist 9:20. Ich gehe an einem Hörsaal vorbei, der seit kurzem so wie eine Bank heißt. Neben dem Hörsaal steht ein Bankautomat, eben genau dieser, Bank und ein Kontoauszugsdrucker steht auch daneben.

10:00 meine Vorlesung beginnt. „Die Firma example.org bietet auch in diesem Semester wieder ein Stipendium für einen Studenten/Studentin. Ich lasse die Unterlagen einmal herum gehen. Das ist halt ein wenig so wie Lotto spielen, nur dann auf der anderen Seite wieder nicht. Nun zur Vorlesung.“

10:45 Pause. In dem Forum liegen allerlei Hefte aus, manches mit Bezug zur Uni wie die hochschuleigene Zeitung. Irgendwo dazwischen liegen Hefte mit Kochrezepten und Mobilfunkverträgen. Das Einzige was an Hochschule erinnert ist der Name „Campus“ der im Flyer halb verdeckt durch den Werbeschriftzug noch gerade so zu lesen ist.

11:00 Die Stipendiums-Unterlagen kommen auch bei mir an. „Noten seit der 11. Klasse (..) … Unterlagen werden an Unternehmen zwecks Recruting-Maßnahmen weitergegeben“. 200€ bietet das Stipendium für ein Semester, einem einzigen Studenten/einer Studentin. Ich denke mir nur – die Werbefläche die die Firma für das Stipendium zur Verfügung gestellt bekommen hat, dürfte ein vielfaches wert sein – und gebe das Material weiter. Eine kurze Google Suche ergibt: der Name der Firma kommt über 1.000 Mal auf der öffentlich einsehbaren Seite der Uni vor. Hm.

12:00 Das klassische Uni-Marketing. Flyers vor der Mensa, Verkauf von Zeitungs-Abos im Eingangsbereich, Plakate für einschlägige Kommunikationsanbieter. Alles extra-groß, alles auf hochglanz poliert. Das Essen in der Mensa ist auch ganz okay, sieht nur nicht so schön aus wie die Werbeplakate.

12:15 Die nächste Veranstaltung. Kein Sponsoring, keine Vorstellung von Unternehmen – ich frage mich ist das überhaupt heute noch möglich – oder wird das dem Dozenten vom Gehalt abgezogen?

14:00 Andere Veranstaltung. Hinweis zur einer Exkursion zu einem Unternehmen in der Region. „Natürlich machen die da auch Werbung für sich“, sagt der Dozent und geht zu seinem Stoff über. Wenigstens ehrlich.

16:00 Die Stipendiums-Unterlagen des besagten Unternehmens vom Vormittag bekomme ich noch mal per eMail. Ich überlege ob ich alle eMails der Uni, die die Wörter Studierenden-Förderung, Stipendium und Karriere direkt in den Papierkorb weiterleiten soll.

19:20 Leere meinen Briefkasten. Post mit Logo von der Uni. Ich schaue rein. Eine Umfrage eines privaten Marktforschungsinstitutes, mit Gewinnspiel. Wie viel Geld die Uni dafür wohl bekommt? Ich werfe den Brief weg.

Beziehungsweise: ich würde gerne die Werbung wegschmeißen, aber leider ist mein Papier-Mülleimer hoffnungslos überfüllt. Solange ich an der Uni bin wird sich das wohl nie ändern. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Vielleicht bekomme ich auch irgendwann mal was ab von dem Werbekuchen. Vielleicht sollte ich in diesem Blog ein bisschen mehr Werbung einbauen, natürlich nur im Namen der Wissenschaft – und wer würde etwas gegen Wissenschaft sagen wollen.