Gelesen: Nothing for UnGood (John Madison)

Es gibt Bücher, die sind lustig. Es gibt Bücher, die sind verbittert. “Nothing for UnGood” ist eine Mischung aus einem klischeehaften amerikanischen Reisebericht über Deutschland und einer humorvollen Abhandlung über den vermeintlichen Deutschen Alltag. Nothing for UnGood ist stellenweise fast humorvoll – über die größten Abschnitte hinweg ist es jedoch einfach nur verbittert.

So lernt man zu Anfang des Buches, das es sich einfach nicht lohnt die Deutsche Sprache zu lernen. Zu schwierig, zu viele Artikel, zu viele Fälle. Außerdem seien die Deutschen so doof, dass falsche (britische) Englisch zu lernen – denn die USA wären ja die Wirtschaftsmacht und überhaupt solle man in Deutschland immer Englisch sprechen, da man von kompetenten Leuten erwarten könne, dass diese Englisch sprechen. Überhaupt sei das Lernen von Fremdsprachen komplett überflüssig – Englisch reicht völlig aus.
Als Beleg dafür werden dem Leser noch Normativ, Genetiv, Dativ und Akkusativ in Tabellenform präsentiert – alles um die Aussage zu unterstützen – lernt bloß nicht deutsch.

Wer jetzt beim Lesen des Buches noch nicht vor Langeweile weggnickt ist, dem präsentiert John Madison die üblichen Sprachfehler die, die Deutschen im Englischen immer wieder machen. Ich fühlte mich in diesem Abschnitt an meine eigene Schulzeit erinnert. Die Verwechselung von happy und lucky scheint für den Autor dem Weltuntergang gleich zukommen und das information kein Plural-s enthalten scheint einer der wichtigsten Grundsteine der englischen Sprache zu sein. Kurzum: Die Deutschen brauchen eine lebenslange Englisch-Nachhilfe und ganz unrecht hat der Autor damit sicherlich nicht.

Soweit so gut. Dennoch kann das Buch auch später mit einen paar durchaus humorvollen Passagen punkten:

Die Deutschen sind brutal ehrlich – nicht weil sie es böse meinen, sondern einfach, weil die Deutschen Fakten lieben. Ihre allgemeine nationale Liebe zu Daten zeigt sich in der deutschen Gesellschaft auf vielerlei Art, am direktesten in der Werbung für die Zeitschrift Focus, deren Motto Fakten, Fakten, Fakten! lautet. Mit diesem Slogan ließe sich in Amerika keine Zeitschrift verkaufen – es sei denn, es stünde der Name eines Promis darüber. (…) Vor der Einführung des Euro zeigten die Deutschen ihre Liebe zur Exaktheit sogar auf jedem Zehn-Mark-Schein. Darauf stand eine Gleichung – die Gauß-Verteilung – die Versucht – Ordnung in beliebige Variablen zu bringen. In Deutschland begreift man einfach nicht, dass auf Geldscheine tote Politiker gehören, keine Naturwissenschaftler.

Das Albernste, was die Deutschen machen, ist das metrische System. Jeder weiß, dass Inch oder Zoll besser sind als der Zentimeter, weil er größer ist. Und wenn man ein fußlanges Subway-Sandwich zwischen zwei, drei, vier oder sechs Leuten teilen will, schneidet man es in jeweils 6,4,3 oder 2 Inch lange Stücke. Wenn man das mal mit Zentimetern versucht wären die Stücke 15, 24, 10, 16, 7, 62 oder 5,08 Zentimeter lang. Das kann sich doch kein Mensch merken.

Welchen Nutzen bringt es den Deutschen, hohe Steuern zu zahlen? Ein reines Gewissen, wenn man Bettlern auf der Straße kein Geld gibt.

Fazit: Man kann das Buch lesen. Wenn man es nicht tut hat man aber auch nichts umwerfendes verpasst. Entschließt man sich für das Lesen von Nothing for UnGood, so wird man sich wahrscheinlich fragen ob das nun Verbitterung oder Humor ist. Meist soll es wohl beides sein.