Gute Überschriften

Gute Bildunterschriften zu finden ist wirklich nicht leicht, ebenso schwer ist es gute Überschriften, zu finden.

Dieses Mal zeigt uns die Welt, dass man auch in etablierten Redaktionen, Probleme mit einer vermeintlich einfachen Überschrift haben kann.

An einer „guten“ Überschrift hängen inzwischen viele Interessen. Die Web-Redaktion möchte einen möglichst zeitlosen Titel mit vielen Keywords, damit der Artikel auch noch nach längerer Zeit über Suchmaschinen gefunden wird. Die Print-Abteilung will dagegen gerne auch mal eine reißerische Überschrift, die das Interesse des Lesers weckt.

Unter letzterem Druck scheint die Überschrift, „Deutschland ist ein Paradies für Einbrecher“ entstanden, zu sein.
An dem Artikel an sich ist nichts auszusetzen, jedoch findet man kein einziges Indiz dafür, warum Deutschland ein Einbrecherparadies sei.

Ausschnitt aus dem Welt-Artikel
Zwar hat die Zahl der erfassten Einbrüche (2010) im Vergleich zu 2010 zugenommen, viel Aussagekraft hat das Ganze jedoch nicht. Denn die Daten, auf die der Artikel sich bezieht, lieferen nur Werte für 09/10.

Die Daten davor sind aufgrund von Veränderungen in der Datenerhebung nicht mehr vergleichbar. Wie kommt man nun darauf, das Deutschland ein Einbrecherparadies ist?

Meine Vermutung war, dass die Einbruchsstatistik im Vergleich zu anderen Ländern recht hoch sein, muss. Statistiken zu lesen und zu interpretieren ist an sich schon eine Wissenschaft für sich. Die Daten von verschiedenen Ländern zu vergleichen ist für „den Normalbürger“ quasi unmöglich. Da erhebt ein Land die Daten so, das nächste wieder etwas anders. Oft sind auch die Erhebungskategorien ganz andere und bei manchen Statistiken würde ich persönlich aufgrund von Sprachbarrieren scheitern.

Eine der wenigen verlässlichen Quellen für Vergleichsstatistiken ist Erurostat. Ein Blick in deren Zahlen zeigt für die Einbruchsstatistiken wenig Spannendes: In Deutschland gibt es (in absoluten Zahlen) weniger Einbrüche als in Frankreich, Großbritannien und Italien. Wenn man bedenkt, das dies alles Länder sind die eine geringere Bevölkerungszahl – könnte man die Aussagekraft des Artikels mehr als bezweifeln. Der Vergleich hinkt zwar etwas, da die Daten von Eurostat nur bis ins Jahr 2008 gehen. Bedenkt man jedoch das die Änderungen in diesem Bereich nicht als zu stark schwanken, so kann man die Statistik zumindest als Maßstab nehmen.

Jetzt kann man es natürlich drehen und wenden was genau ein „Einbrecherparadies“ definiert. Die Überschrift durch irgendeine einigermaßen seriöse Studie zu belegen dürfte allerdings nahezu unmöglich sein. Wahrscheinlich gehört die Überschrift in die Kategorie „Nicht durch Quellen gedeckt“. Dabei wäre es so einfach gewesen eine passende Überschrift, zu finden. „Mehr Einbrüche in bestimmten Regionen“ wäre durch die Statistik gedeckt gewesen. Verkauft sich aber zugegebenermaßen nicht halb so gut.

Die verwendeten Daten von Eurostat, Domestic burglary, ab Seite 16 und die polizeiliche Kriminalstatistik.

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