Tief in der Nacht

Wer codet da tief in der Nacht?
Es ist der Informatiker – er ist noch wach.

Er codet viel, er codet müßig.
Schließt um halb zwei – dann schließlich,
den Pizza-Karton, dann doch recht genüsslich.

Er weiß schon jetzt:
Seine Kollegen werden es ihm nicht danken.
Sondern sich um die nächste Deadline mit ihm zanken.

Doch er codet weiter, tief in der Nacht.
Manch‘ Kernel Panic hat ihm Sorgenfalten gebracht.
Das Arbeitsformular hat er gesprengt,
22 Uhr ist doch kurz nach Arbeitsbeginn.

Wartbarkeit und Sicherheitsprobleme,
solche Sorgen braucht er heut‘ nicht
„Gut, soll es werden und dieses Feature brauchen wir auch,
sonst geht bei ihrem Arbeitsvertrag bald ein Lichtlein aus.“

So codet er weiter, tief in der Nacht.
Der letzte Kollege ging vor halb Acht.
Der Kollege wünschte noch ein schönes Wochenende,
und rieb sich vor Vorfreude auf seinen eigenen Kurzurlaub die Hände.

Der Informatiker blickte nur neidisch auf
und dachte sich „ich will hier raus“.
Der letzte Urlaubsantrag:
Abgelehnt. „Wer soll das dann machen, wenn nicht Sie?“

„Ach ihre Handynummer brauch ich noch“
„Warum“
„Wenn bei uns der Server raucht? Nur darum“

Beim letzten Betriebsfest,
Abserviert. In der letzten Ecke Platz genommen.
Von niemanden registriert.

Der nächste Morgen jedoch:
20 neue Mails in der Inbox.
12 mal „Wo sind denn die Fotos?“
8 mal „Wo bleiben die denn bloß?“

So codet der Informatiker weiter,
so tief in der Nacht.
Früher hat ihm das Coden mal Freude gemacht.