Wie ich lernte mit dem TC7200 zu leben

Unverständnis. Kopfschütteln. Spontane Panikattacken. All das erlebe ich mit meinem Router. Mein Kabelmodem und Router TC7200 ist inzwischen viel mehr als ein normales Modem für mich. Wir verbringen viel Zeit miteinander – der kleine Router und ich. Und ich kann nicht mehr ohne ihn. Manchmal ist er sogar so ehrgeizig mich dazu zu bringen mich mehr mit Wireless-Technologien auseinanderzusetzen und belehrt mich so.

Das alles hört sich verwirrend an? Ist es auch. Doch der Reihe nach. Der TC7200 ist zunächst einmal ein Modem mit integrierten Router (ähnlich wie man das von den bekannteren AVM Fritz-Boxen kennt). Eine etwas unrühmliche Bekanntheit hat der TC7200 von Technicolor dadurch erhalten, dass er einer der aktuellen Zwangsrouter der Kabelnetzbetreiber ist. Sowohl bei Kabeldeutschland als auch bei Unitymedia/KabelBW findet man die Bedienungsanleitung auf den Seiten der jeweiligen Kabelbetreiber. Man kann davon ausgehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Kunden mit Kabelverträgen der letzten Jahre genau eben diesen Router bei sich zu Hause im Einsatz haben.
Das an sich wäre noch nicht schlimm. Schließlich ist der TC7200 an sich gar nicht schlecht ausgestattet: Ein USB-Port, vier LAN-Anschlüsse und W-LAN sowohl für das 2,4Ghz als auch das 5Ghz Frequenz-Band. Das entspricht in etwa den üblichen Features von den günstigeren Routern. Erwähnenswert bei den Funktionen ist noch die Tatsache, dass man sich für ein Frequenzband entscheiden muss: Entweder man betreibt den Technicolor Router im 2,4Ghz Band oder im 5Ghz Band. Beides gleichzeitig (oftmals mit Dual-Band beworben) ist leider nicht möglich.

Soweit – so gut. Doch was kann der Technicolor nun in der Form die man per Firmware von Unitymedia bekommt nun wirklich(Stand: Juni 2015)?

USB: Schnell stellt sich heraus, dass die USB-Schnittstelle genau eines kann: Strom bereitstellen. Mehr kann der USB-Port nicht. Genau so gut könnte man ein USB-Netzteil verwenden (wodurch man vermutlich potentielle Sicherheitslücken reduzieren könnte).

W-Lan: Beide Frequenzbänder gleichzeitig bedienen kann der TC7200 zwar nicht. Die Wahl der Frequenzbänder ist jedoch stark von den verwendeten Geräten abhängig. Viele Notebooks haben seit Jahren Chipsätze für beide Frequenzbänder eingebaut. Anders sieht es im Smartphone-Bereich aus oder bei älterer Hardware – dort heißt es meist: Keine Unterstützung für das neuere 5Ghz W-Lan. Das ist soweit nicht spezifisch für das TC7200, sondern ein generelles Problem.
Nun ist es ebenfalls üblich, das der Kanal auf dem Gesendet wird innerhalb des 2,4 oder Ghz Bandes automatisch ausgehandelt wird. Die Idee dahinter: Kanäle die nicht nutzbar sind (z.B. durch benachbarte Access-Points) werden gemieden und gut nutzbare stattdessen gewählt. Hier läuft meiner subjektiven Meinung nach der TC7200 quasi Amok und wählt statt wenig genutzter Kanäle letztlich immer den Kanal 1 (ggfs. kommen andere Nutzer mit anderen Umgebungen auf andere Ergebnisse). Letztlich ist das sehr verwunderlich – denn in meiner Umgebung ist dies im Schnitt der meist genutzte Kanal. Das können andere Router imho besser.
Schlussendlich ist meine Empfehlung an der Stelle bei einer schlechten W-Lan Performance möglichst das 5Ghz-Band zu nutzen und den Kanal manuell festzulegen. Das 5Ghz-Band ist in der Regel weit weniger ausgelastet. Legacy-Geräte könnten dann bei Bedarf durch einen alten Router versorgt werden. Einige Geräte haben jedoch im 5Ghz-Bereich Probleme mit bestimmten Kanälen, so will beispielsweise Amazons Fire TV Stick die unteren Kanäle und weigert sich standhaft mit anderen Kanälen zu funktionieren.

Quasi-Aufhängen: Nach dem ich den TC7200 über mehrere Monate inzwischen im Einsatz habe kommt es in einer erstaunlichen Regelmäßigkeit zu dem Problem, dass keine Daten mehr über die Internet Verbindung mehr übertragen werden können (Lan-Traffic ist hiervon nicht betroffen). Hier hilft es im Admin-Menü (http://192.168.0.1/ Nutzer:“admin“, Passwort:“admin“) eine sogenannte „WAN-IP Erneuerung“ auszuführen – falls sowohl Uplink, Downlink aus auch Online-Leuchte gelb strahlen funktioniert dies. Im Log des Routers findet man zu diesen Zeitpunkten keine Informationen die auf ein Fehlverhalten hindeuten.

Keine Internet-Verbindung: In letzter Zeit häufen sich bei mir die Fälle, in denen keine Internet-Verbindung besteht. Dann leuchtet die Uplink-Leuchte sporadisch auf und nach einiger Zeit startet der TC7200 neu. Im Log erscheinen Meldungen wie


Jun 13 08:11:27 192.168.0.1 [Major]: Started Unicast Maintenance Ranging - No Response received - T3 time-out;CM-MAC=58:23:8c:00:00:00;CMTS-MAC=00:01:5c:00:00:00;CM-QOS=1.1;CM-VER=3.0;

Jun 13 08:13:25 192.168.0.1 [Major]: Received Response to Broadcast Maintenance Request, But no Unicast Maintenance opportunities received - T4 time out;CM-MAC=58:23:8c:00:00:00;CMTS-MAC=00:01:5c:00:00:00;CM-QOS=1.1;CM-VER=3.0;

Interessanterweise halfen bei solchen Problemen bisher meist kurzes Ein- und Ausschalten, oftmals auch mehrmals hintereinander. Wenn dies nicht half konnte man das TC7200 immer mit einem Reset wieder in den Einsatz befördern. Nun kann die letzte Störung genau so gut bei Unitymedia liegen – da ich jedoch bisher immer nach wenigen Handgriffen mich wieder in deren Netz befördern konnte schiebe ich dies eher auf das Modem. Anders sah es nähmlich aus wenn ich abwartete: Das Modem verblieb dann in einer Schleife von Verbindungsversuchen und Neustarts.

Insgesamt bin ich verwundert, dass der TC7200 mit der Software in der bestehenden Form so oft ausgerollt wird. In diversen Foren wird sich über diverse Mängel des Produkts beschwert. Die Probleme vermischen sich dabei mit IPv6 DS-Lite und Software-spezifischen Problemen. Ich bin dem vernehmen nach nicht alleine, sodass die Hotline von Unitymedia wohl letztlich der Hauptleidtragende des Produkts ist.
Ich hoffe ja auf die Zukunft: Der Routerzwang soll fallen, dann kann man sich auch einen Router kaufen der vielleicht mehr kann als nur eine Stromversorgung an einem USB-Port bereitzustellen. Manchmal muss man sich nur trauen das Undenkbare zu denken.