Gedanken zu der Hartz IV Neuberechnung

5 € mehr, durch eine ziemlich komplizierte Kalkulation. Hier ein paar Gedanken zu der aktuellen Diskussion.

Lohnabstands-Gebot
364 Euro soll der Regelsatz in Zukunft betragen, zuzüglich Mietzuschüsse und ggfs. Sonderleistungen. Das ist je nach Einzelfall etwas mehr oder weniger als Bafög-Höchstsatz.
Das ist nicht viel. Aber rechnen wir das mal im einzelnen durch. In Deutschland gibt es keinen branchenunabhängigen, bundesweiten Mindestlohn.
Nun nehme man an, man bekäme eine Stelle auf Basis mit 42,5 Stunden angeboten, oder würde es sonst irgendwie schaffen sich mit Aushilfstätigkeiten quasi Vollzeit zu beschäftigen. Nehmen wir mal an, man bekäme 5€ die Stunde. Das sind im Monat 850€. Hört sich doch recht gut an, nicht?

Nun – abhängig von verschiedensten Faktoren – bleiben allerdings von den 850€ nur noch etwa 670€ übrig (ganz grob kalkuliert), der Rest geht in die Sozialversicherungssysteme. Lohnsteuer & Co. sind immerhin bei solchen Beträgen noch nicht fällig.
670€. Immer noch mehr als Hartz IV möchte man meinen. Bedenkt man allerdings, das man bei Hartz IV noch Mietzuschüsse zum Regelsatz dazu kommen – dann sind wir wieder auf dem Hartz IV Niveau.

So stellt sich die Frage – welches Lohnabstandsgebot? Ohne einen Mindestlohn verlaufen die Grenzen sehr fließend und schon jetzt gibt es viel zu viele Menschen die von ihrer Vollzeitstelle nicht leben können.

Angenommen, es gäbe einen Mindestlohn von 7,50€ – Netto wären das in unserem Beispiel etwa 950€. Die Frage von einem Lohnabstand würde erst bei einer solchen Vergütung eine Bedeutung bekommen.

Alkohol im Regelsatz
Gehört Alkohol oder Tabak zu den Leistungen des Sozialstaats? Ich behaupte nein und vermute: keine Klage die daran etwas ändern will wird bestand haben. Vielleicht über Umwege, argumentiert mit „Teilhabe an dem kulturellen Leben“, das wären aber alles Spielereien. Ähnlich verhält es sich mit Benzin.
Diskutieren kann man freilich darüber, wie sich der Regelsatz zusammensetzt und wie er berechnet wird.

Zum Alkohol im Regelsatz:
Wer Alkohol allerdings ausschließlich durch Mineralwasser ersetzt, der predigt nur zur wörtlich Wasser statt Wein. Damit entfernt man sich damit als zu deutlich von der Lebenswirklichkeit. 2,99€ sind für die alkoholfreien statt alkoholischen Getränke vorgesehen (siehe SZ). Grüner Tee, Saft und Softdrinks dürften es aber schon statt Wasser sein. Immerhin die WHO wird sich über das „Wasser statt Wein“-Programm der Bundesrepublik freuen.

Existenzminimum
Hartz IV ist nicht existenzielles Minimum, sondern gesellschaftliches Minimum. Deshalb sieht der Regelsatz Leistungen für Freizeit, Verkehr, Gaststätten & Co vor. Nebenbei bemerkt, auch das lädt nicht zu spätrömischer Dekadenz ein.

Heizkostenzuschuss
Zwar nicht direkt mit HartzIV verbündelt, doch allen Wohngeldempfängern wird nach bisherigen Plänen der Heizkostenzuschuss gestrichen. Kann man soziale Kälte eigentlich besser ausdrücken, als durch das Streichen von Heizkostenzuschüssen?

Halbmast

Da hängen die Flaggen in den USA doch nur noch auf Halbmast: Die USA sind ab 2025 nicht mehr die dominante Supermacht, meldet die Taz unter Berufung auf US-Quellen.

Ob irgendwann einmal Amerikaner in China um Asyl ersuchen?

Deutsche Bank und Norisbank

Ackermann ist vielleicht nicht gerade beliebt, aber recht hat er:
Die Anreizsysteme für die Manager müssen sich stärker am längerfristigen Erfolg orientieren.

Puh. Hat das gerade der Chef der größten deutschen Bank gesagt? Ja hat er. Und er setzt noch einen drauf:

Allerdings kommt jetzt der Konjunkturabschwung hinzu. Und die Aufsichtsbehörden werden von uns künftig einen höheren Kapitaleinsatz verlangen. In den nächsten Jahren erwarte ich daher geringere Renditen.

Weniger Rendite! In der Bankenbranche und das bei doch so viel Erfolg! Auch aus dem gleichen Mund, diese zitierten Wörter. Imagepflege muss halt sein.
„Deutsche Bank und Norisbank“ weiterlesen

„Milch ist ekelhaft“ meint Andrea Illy im Interview und dürfte damit so den einen oder anderen Hindu verärgert haben – wenn sie den Artikel überhaupt gesehen haben. Hindus sehen Kühe und dementsprechend auch Milch als etwas heiliges wenn nicht gar völlig unantastbares an.
Milch kennt man aus dem Hinduismus Opfergabe und nicht als Dreck. Welche gläubigen Christen würden denn Dreck in den Klingel-Beutel werfen? Sicherlich nicht ganz so Viele.

Während religös motivierte Staaten wie die USA jetzt schon fast zum Krieg aufrufen würden, wenn irgendetwas gegen das Christentum und westliche (Medien-) Meinungsfreiheit gesagt wird, dürften Hindus nur müde lächeln. Die von Hindus ständig geforderte Gewaltlosigkeit macht das Leben leicht. Doch vielleicht haben Christentum und Hinduismus gar nicht so wenig gemeinsam. Milch ist weiß und Weiß ist der Ansicht der meisten Christen nach, die symbolische Farbe für Unschuld. Das dürften auch die Hinduisten nicht anders sehen.

Dauerregen

Regen,
verlassen liegen
sie, die Gassen

Super! Es ist fast Mitte Juli und die regenfreien Tage kann ich an einer Hand abzählen. Okay, immerhin zwei Stück innerhalb der letzten 6 Wochen. Wenn mal das den Tourismus in Deutschland nicht ankurbelt, dann weiß ich auch nicht weiter.

Es gibt Dinge, die überlässt man besser den Bulevard-Profis. Eigentlich. Denn alle oben genannten Dinge verstopfen seit Tagen meinen Papierkorb. Zum Glück nur den virtuellen – aber ärgerlich ist das schon. So habe ich zur Zeit Tonnenweise Mails wie diese im Papierkorb: „“ weiterlesen

Da alle Welt, in den nächsten Tagen nach Mecklenburg-Vorpommern schaut, wo der diesjährige G8-Gipfel stattfindet, möchte ich einmal auf etwas ganz anderes hinweisen. Wie sieht es eigentlich mit den „Nördliche Marianen“ aus, was die Demokratie angeht? Dieser kleinen, südlich von Japan gelegenen Inselgruppe die ein sogenanntes Außengebiet der USA ist? „“ weiterlesen

Print ist tot. Zugegeben, das ist etwas polemisch und populistisch. Aber irgendwie bekam ich heute das Gefühl das der Satz nicht ganz falsch ist. Grund dafür war das ich heute einige alte PC- und Foto-Zeitschriften (und einige andere) aussortiert habe. Nachschub ist fast nicht in Sicht. Ich habe mir seit langem keine PC-Zeitschrift mehr gekauft und wenn dann vielleicht mal eine weil die Schlagzeile ganz interessant war. Das war es aber auch schon. An Platz mangelt es mir eigentlich auch nicht, trotzdem habe ich die meisten alten Zeitschriften aussortiert. Zu selten schaue ich mal was nach. Zu selten hatte ich nach dem Kauf das Gefühl: „Wow, was für ein Artikel – den kannst du nochmal gebrauchen“. Ich war fast immer von den Zeitungen enttäuscht. Das liegt weniger an den Themen, die dort angesprochen werden, sondern vielmehr daran, dass die meisten Artikel auf den ersten Blick interessant scheinen, aber sehr kurz sind und meist damit nur einen Einstieg in ein Thema bieten.
Wenn ich zum Beispiel in der Randspalte etwas wie „Hersteller XYZ bringt das neue Produkt ZYX heraus, Experten bezeichnen dies als großen Durchbruch für der gesamte Branche“ lese und mich das Ganze interessiert, dann möchte ich gerne was darüber erfahren können. Nicht erst wenn ich den Computer hoch gefahren habe und den Browser geöffnet habe. Nein, hier, jetzt und auf der Stelle. Das habe ich mir wahrscheinlich so über die Jahre angewöhnt, das lesen am Bildschirm ist immerhin für mich und viele andere schon jetzt normal. Für mich sind die meisten Zeitschriften irgendwie ziemlich umständlich geworden. „Das kenne ich doch schon“, denke ich nichtmals so selten wenn ich am Supermarkt mal wieder in der Zeitschriftenecke vorbeischaue.
Vor noch nichtmals so langer Zeit habe ich mir eigentlich recht regelmäßig Zeitungen gekauft. Seit ich per Flatrate surfe mach‘ ich das nicht mehr. Zu unlukrativ scheinen die Preise für manche Zeitungen. 9,95€ für eine „Sonderausgabe“, ich glaube da investiere ich doch besser in ein gutes, vielleicht sogar gebundenes, Buch.
Doch halt ist das nicht auch Print?
Irgendwie, ja, irgendwie schon. Aber ein Buch hat den Vorteil das es – zumindest in der Regel – nur ein Thema beinhaltet und geht auf dieses ausführlich ein. Außerdem hat ein – gutes – Fachbuch den Vorteil das man damit mobiler ist als mit einem PC. Das gebundene Fachbuch kann man auch in der prallen Sonne auf der Terrasse lesen, beim Notebook geht das zwar auch, dafür wiegt es einiges mehr und man braucht nach einiger Zeit einen zweiten Akku oder eine Stromanbindung.
In meinem Fall würde man erstmal ein Notebook benötigen. Ich habe jedenfalls keins und plane auch nicht mir eins anzuschaffen. Wozu auch? In der Bahn und dem Bus kann man mit einem Notebook nicht wirklich komfortabel arbeiten. Es fehlen Internetzugang (UMTS ist – noch – teuer und nicht einigermaßen flächendeckend verfügbar) und Stromanschlüsse für längere Fahrten. Zumindest letzteres mag in den IC/ICEs der deutschen Bahn zwar anders aussehen, aber wer fährt schon lange Strecken so oft das sich das wirklich lohnen würde? Außerdem ist der Platz doch eher sehr begrenzt. Vielleicht sollte ich mir mal eine Zugfahrt erster Klasse gönnen? Sponsort mir die jemand?
Doch zurück zur Terrasse. Wenn ich mich in die Sonne lege, dann eher um mich zu entspannen, nicht um zu arbeiten. Das mit dem arbeiten auf der Terrasse funktioniert nicht wirklich gut. Zu klein ist der Tisch um Notizen und Bücher ausbreiten zu können, zu stark weht meist‘ der Wind. Wenn dann noch ein recht „offener“ Garten mit Nachbarn vorhanden ist, kommt man aber eh nicht mehr hinterher die weg gewehten Notizen wiederzufinden…

Wie dem auch sei. Alle Medien haben ihre Vor- und Nachteile. Wieso für Eins entscheiden. Wieso nicht beides, jeweils dort wo es angebracht ist? Zeitungen zum entspannen und insperieren, das Internet zum Arbeiten, Bücher als mobile Lernhilfen. Eigentlich kann das gar nicht so schlecht sein. Schließlich steht der Zeitschriftenhändler nicht umsonst am Bahnhof. Da wo kaum jemand sein mittelschweres Notebook mitnehmen würde. Ich bin mir sicher: Der verschwindet so schnell nicht von der Bildfläche, also der Zeitschriftenhändler. Was der nun in Zukunft aber verkaufen wird sei mal dahingestellt.

Zum Weiterlesen: Was Blogger besser können und „Print ist tot“ bei Spreeblick